29. 5.

Eine Ausstellung der Appropriation-Art Künstlerin Elaine Sturtevant zeigt der Hamburger Bahnhof, mit dem Fokus auf deren zeichnerischem Werk, welches offenbart, dass die Künstlerin weit über die bloße Kopie hinausgeht und die Arbeiten anderer Künstler einer Re-Interpretation unterzieht. Sie duplizierte Originale, "Anti-Readymades", die Zeugnis ihres zutiefst konzeptuellen Denkens sind. So wird ihr wichtigstes künstlerisches Prinzip - die Ästhetik der Wiederholung offenbar.




28. 5.

Wiedereröffnung nach der Sanierung der Berlinischen Galerie mit einer neuen Präsentation der Sammlungsbestände, einer Ausstellung zum Bauen in den 60er-Jahren in Berlin und der Verleihung des "Fred Thieler Preises" an Bernhard Martin.



VITRINE-FN mit "Illumination211f-Sex" - Hubi W. Jäger


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9. Mai 2015

Verleihung der LÖWEN und Eröffnung der BIENNALE VENEDIG
All the World's Futures ist der von Okuwai Enwezor gesetzte Obertitel und Motto. Dazu wird während der gesamten Laufzeit bis November unter der dramaturgischen Regie von Isaac Julien in einer neugeschaffenen "Arena" das "Kapital" von Karl Marx gelesen. Neben anderen Lesungen finden dort auch verschiedenste Gesangs und Musikveranstaltungen statt, von Revolutionssongs, Lieder von Gefangenen in den USA u.a., Performances auch im Arsenale.
89 Länder beteiligen sich mit Pavillons im Giardini, Arsenalegelände wo eine neue Halle einige Länder mehr beherbergen kann und natürlich über die Stadt verteilt, neben 44 begleitenden Ausstellungen und zahllosen Events.

Und wieder eine Überraschung - allerdings eine politische Entscheidung - leider zu ungunsten dessen worum es eigentlich gehen sollte, der Kunst, der Goldene Löwe für den Besten Pavillon geht an Armenien das wegen der 100-jährigen Erinnerung an den Genozid in aller Munde ist. Allerdings ist die Gesamtinszenierung auf der Insel San Lazzaro degli Armeni mit dem Mekhitaristen Kloster bestens gewählt.


Die Lagune mit der Insel San Lazzaro degli Armeni und dem alten armenischen Kloster

Zum Besten Künstler wird Adrian Piper gekührt, für sein Vermittlungsbüro
Beste NachwuchsKünstlerin Im Heung-Soon, alle anderen sind im Link zu den Löwen zu finden.


Abdessemed und Bruce Nauman

Die kuratierte Ausstellung umfasst 136 Künstler aus 53 Ländern, wahrlich international, weg vom euro-amerikanischen Kontext... denkt man, allerdings leben die meissten genau in diesen kapitalstarken Kunstmarktländern. Ebensoviele leben in New York wie in Berlin.
Man bekommt während des Rundganges den Eindruck dass der eigentliche Titel und das Anliegen der Begriff "Sammelsurium" wesentlich besser abbildet als irgendwelche Ansprüche an "die Zukunft der Welt" geschweige denn im Plural... Eine lieblos zusammengepferchte Ansammlung von Kunstwerken, oft ohne Bezügen untereinander und ohne roten Faden.


Walead Beshty


GLUKLYA "clothes for demonstration against false election of putin"


Wangechi Mutu


Monika Bonvicini - Gonçalo Mabunda - Melvin Edwards


Thomas Hirschhorn


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Simon Denny für Neuseeland In der Nationalbibleothek an der Piazzetta San Marco

Den interessantesten und stärksten Länderpavillon, hochaktuell am Puls der Zeit, bestreitet Neuseeland mit dem jungen Künstler Simon Denny. Der Titel "Secret Power" beschreibt treffend die Intention und den Inhalt, auch basierend auf Veröffentlichungen Edward Snowdens recherchierte Denny zu einer Leitfigur des NSA - "Creativ" Director David Darchicourt, der ebenso Gründer des "social" network LinkedIn ist, über Ideen der Kontrolle und Beeinflussung der Gesellschaft, der Menschen mit allen Mitteln, bis hin zu strategische Video-Kriegs(vorbereitende) Spielen und psychologischen Strategien und natürlich die totale Überwachung. Die Zukunft liegt in der Sammlung möglichst aller digitalen Daten. Dies zu veranschaulichen installierte er einige Vitrinen mit Servern und Dokumentarmaterial zu den einzelnen Themenkomplexen mit denen sich Darchicourt beschäftigte und arbeitete. Mittig stehen zwei der alten Globen der Bibleothek, die auch komplett und sehr repräsentativ ausgemalt und ausgestattet wurde im Sinne der Machtpräsentation der Serenissima von Titian bis Veronese - Alte Welt trifft auf die Neue Welt. Eine Überraschung findet man bei der Ankunft im Marco Polo Flughafen - man läuft über die Reproduktion der Decke aus der Bibleothek, könnte auch eine Werbemassnahme sein. Die meissten Ankömlinge übersehen die Installation komplett.


Simon Denny © Artist + Pavillon / Foto: Nick Ash

Eine Überraschung ist der inoffizielle Pavillon von Namibia (sie hatten zuletzt doch kalte Füsse bekommen ob der Brisanz des Themas, aber eine schöne grausame Parallele zur derzeitigen Diskussion über Armenien) - "Amnesia in Deutschland und Namibia" hängt sich an der Reise des populären Christoph Schlingensief und einige seiner Protagonisten zur Recherch eines angedachten Wagner-Projektes auf, verrückt genug, aber wesentlich interessanter und tiefgründiger ist die filmische Recherche von Nicola Brandt zur deutschen Kolonialgeschichte und den Nachfahren im heutigen Namibia. Geschichten der Nachfahren beider Völker. Auf drei Screens sehen wir viel leere Landschaft, Wüste, wunderbare Landschaften mit furchtbarer Geschichte vom Genozid an den Hereros, unkenntlichen Massengräbern. Zerstörte Häuser und heutige Interieurs, Bücherregale der ewig gestrigen, bei denen Hitlers "Mein Kampf" immer noch im Zentrum steht. Dazu Frauenstimmen die erzählen, von beiden Volksgruppen. Ein Stück unbewältigte deutsche Geschichte so unaufgeregt aber deutlich vor Augen geführt! Bis heute verleugnet, selbst eine Delegation mit mehreren Ministern der namibischen Regierung wurde vor ein paar Jahren von Unterstaatssekretären "abgefertigt", als sie einige Skelette und Schädeltrophäen aus ethnologischen Sammlungen "heimholen" konnten. Nicola Brandt ist selbst Nachfahre und kennt die Situation im Land von beiden Seiten betrachtet sehr gut. Trotzdem keine Dokumentation sondern gute spannende Kunst.

Der Deutsche Pavillon verwirrt, ist aber besser als es der Anschein hat. Ein verbautes Durcheinander, der Eingang mal wieder zugemauert - wie Europa für Flüchtlinge, denen sich die stärkste Arbeit widmet, Tobias Zielony lässt die Aktivisten vom ehemals besetzten Oranienplatz zu Wort kommen und schickt Fotografien und Artikel an Zeitungen der Herkunftsländer, die diese auch abdrucken. Die Fotografien und Zeitungsseiten sind die dokumentarischen Werke in der Ausstellung - die eigentliche Arbeit wurde zuvor erstellt.
Dazu gibts eine filmische Doku zur Abwicklung einer ägyptischen Fabrik und den Arbeitern, kennen wir zur Genüge aus der "Umgestaltung" der DDR.
Die unsichtbare "Arbeitsleistung" auf dem Dach von Olaf Nicolai ist nicht mehr als ein Gag.
Hito Steyerl kreiirte ein (Fake) Computerspiel zur Zukunft, Alien-Menschen in goldenen Overalls tanzen und agieren darin auf einer spassigen (Spiel-)Ebene. Es wird vom Menschen als reaktive Biomasse gesprochen, sexualisierte Körperforschung, Tanz als existentieller Spielfaktor und von elektropolitischen Frequenzen... Pseudointellektueller Firlefanz!

Im Gegensatz dazu ein wirklich eindrückliches Zukunftsszenarium, eine abgeschlossene abgekapselte Welt, entworfen von Moon Kyungwon und Jeon Joonho im Koreanischen Pavillon. Ein stilles klinisch weisses Interieur mit futuristischem High-Tech Schnickschnack wie es in besten Scifi-Filmen anklingt, worin ein ebenso stilles weiss gekleidetes Wesen seinem Tagesablauf folgt. Konzentriert und scheinbar gefühllos absolviert dieses seinen Sport, Kommunikation, Essen und Trinken und Schlaf. Eine wahrlich horrible isolierte rein funktionale, karge technisierte Lebenswelt voller Zufriedenheit, ohne Fragen, ohne Antworten.

In eine ähnliche Kerbe schlägt auch die vom Moskauer MoMA organisierte Inszenierung der Recycle Group, eine russische Künstlergemeinschaft mit ihrer "Facebook Heiligenverehrung" - passend in der Sant Antonin Kirche. Die "Heiligen", tatsächlich auch User genannt, mit Werkzeugen der digitalen Gegenwart als lebensgrosses "Relief" zwischen Gaze, was die ganze Szenerie noch unwirklicher, überweltlicher erscheinen lässt, das f Logo als neues Kreuz dazwischen, der Mensch als fragmentiertes Detail, als Baukasten so wie früher beim Aufbau von Skulpturen. Sehr klar formuliert dargeboten, nicht ironiefrei, thematisiert unseren alltäglichen Wahn permanent online zu sein (zu müssen), ebenso wie unseren manchmal unreflektierten Glauben an alles im Netz veröffentlichte. So wie die Menschen früher im Glauben sind wir heute im Netz gefangen, vielleicht mancher verloren.

Ähnlich gruselig und doch ästhetisch schön auch die Gesamtinstalltion von Pamela Rosenkranz die den Schweizer Pavillon in rosa und lindgrünes Licht taucht.


Maria Papadimitriou - "why look at animals" - Haus des Präperators






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© Artist + PLU




© Gorca De Due / Muses Machine






Fabio Mauri


Marlene Dumas


Cao Feięs desaströse Lanschaftsmodelle


Katharina Grosse


Robert Smithson


Terry Adkins


Barthélémy Toguo


Rirkit Tiravanija


Moon Kyungwon + Jeon Joonho - Pavillon Korea


Recycling Group


Chiharu Shiota im Japanischen Pavillon


Camille Norment im Nordischen Pavillon


Lo&aslash;o Louro


Jimmi Durham in der Fondazione Querini Stampalia


"Heartbreak Hotel" - Joanna Vasconcelos + Markus Schinwald © Artists + Vanhaerents Collection