26. 3.

Eine völlig neue Bedeutung bekommt der zu Zeit permanent in der Kunstszene, vor allem in Kuratorenköpfen, routierende Begriff "PARTI-E-ZIPATION" durch die Ausstellung Cyprien Gaillards in den KW. Dieser baute eine Stufenpyramide aus vollen "Efes"-Bierkartons in die Halle, die vom Publikum "partizipatorisch" geleert werden sollen, was auch kräftig in die Tat umgesetzt wurde. Dargestellt werden soll damit der barbarische Umgang mit antiken Kulturgütern (deswegen Efes > Efesus) und deren koloniale Inbesitznahme, auch Raub genannt.
Nach doch einigen Jahren taucht York der Knöfel wieder in der Kunstwelt auf und landet in der Galerie Kuttner-Siebert mit sehr farbfreudiger Malerei, Comicfiguren auf graffityähnlichen Gründen mit technoider Schrift kombiniert, die wiederum auf mit Graffityspuren überzogenen Wänden hängen. Eine gewisse Nähe zu manchen Polke-Bildern ist nicht abzustreiten.
Interessante Objekte gibt es von Agathe Fleury bei Kwadrat zu entdecken. Ein Bogen gestapelter Münzen spannt sich im Durchgang, trickvoll verkeilt gelegte Nägel halten sich gegenseitig in der Schwebe und eine durchlöcherte Gerüststange ergibt ein schönes Schattenspiel.



Knöfel - Gal. Kuttner-Siebert              Aghate Fleury - Kwadrat

25. 3.

Konstantin Schneider bittet heute zur letzten "5-Jahre Kunstkontakter"-Ausstellung, Unter den Linden 40, hat einige sehr interessante Künstler dazu eingeladen, allerdings ein grosser Mischmasch, überwiegend malerische Portraits von ihm, kleine und grosse, mehr oder weniger gelungene. Toll ist die Torte mit Negativ-Abdruck von Konstantins Gesicht. Was für ein riesiger Auflauf und eine gute Feier - sicher selten so Unter den Linden.
Eine ebenso tolles Fest - mit Live Band (Sendlinger u. co) und DJs - und eine sehr interessante Ausstellung zum Thema "search and destroy" mit vielen aufstrebenden Künstlern fand bei Andersen am Pfefferberg statt.
Zuvor war ich von den Arbeiten Alexander Cassings bei Campaña angetan, der seine "Malerei" mit Kleberspuren zwischen Glas und Holzträger kreiert. Etwas überladen die Wände aber eine interessante Suche nach "neuen" Malmitteln.
Bei MK eine Gruppenausstellung, Beat Streuli, H. Niehaus, C. Schmidt, kitschige Erotika von Terry Rodgers, aber starke Objekte aus Möbelteilen und teilweise darüber gespannten Stumphosen von Isabel Kerkermeier, geometrischer als die ähnlichen aber stark sexuell aufgeladenen Werke von M. Berkemeier. Eine tolle Skulptur, wie ein Paravent, aus Spiegelwänden und leuchtenden Alibert-Badschränkchen hat Amir Fattal konstuiert.
Im selben Haus zeigt die Galerie Jansen starke abstrakte Malerie von Monique van Gelderen. Richard Long im Hamburger Bahnhof ist sehenswert ausgebreitet dargestellt. In der Haupthalle mehrere seiner Steinkreise / Felder, eine rechteckige Arbeit mit Torf
T. Schulte zeigt ab heute Arbeiten von Robert Mapplethorpe u. McCullen.

19. 3.

Am Samstag ist weniger los, aber mit hoher Qualität - Der grossartige indonesische Künstler Yudi Noor, ich liebe vor allem seine leuchtend farbigen Folien-Foto-Collagen, ist nun bei C. Ehrentraut zu entdecken. Phantastisch gute Videoarbeiten von William Kentridge sind bei Campagne Premiere zu sehen. Animierte Zeichnunge in Büchern ausgeführt, die dann wie ein Daumenkino das Laufen lernen, einfach zuberhaft! Judi Lübkes Eigen Art zeigt Olaf Nicolai, Captain Petzel zeigt Steven Prina, Johann König neues von Andreas Zybach, bei Wentrup sehen wir Malerei von Axel Geis und im GrimMuseum eine Gruppenausstellung als Kuratorenduell zwischen Carsen Chan und Aaron Moulton.

18. 3.

Die Akademie der Künste verleiht im Gedenken an die 1848er Revolution den "Berliner Kunstpreis", in diesem Jahr in die Sektion Film-u.Medienkunst an Claire Denis. Um 17°° wird in der Französischen Botschaft gegenüber dessen Film "White Material" (2009) gezeigt. Auszeichnungen auch in allen anderen Sparten, in der bildenden Kunst an Philip Loersch.

Im Kreuzberger Gallery Districteröffnen heute viele Galerien neue Ausstellungen, vor allem im Galeriehaus in der Lindenstr. Auch die Galerie Ochs wechselt ihren Standort nach Kreuzberg und eröffnet ihre neuen Räume mit Zhao Zhao u. Yuan Chung.
Buchmann zeigt äusserst starke abstrakte bis psychedelische Malerei in leuchtenden Farben, manchmal mit Worten, Ziffern Buchstaben und wundervolle kleine Collagen aus Textil, Federn, Strass und Perlen, Schmetterlingen und Stickern von Fiona Rae
Interessant ist auch eine Sammlung privater Werkbänke und Arbeitstische von Eltern bekannter Künstler, manchmal selbst Schriftsteller oder künstlerisch tätig, mal völlig abgenutzt, manche zum direkten Gebrauch geeignet, Asta Gröting bei Carlier-Gebauer
Zak-Branicka zeigt feinste Bleistiftzeichnungen, exakt, fotorealistisch und doch auch etwas surreal aus dem weiten Feld der Mode von Pavel Olzynski und diese auch als Papierobjekte, von der kleinen Handtasche bis zum Toupet.
Bei den Brunnetts CFA werden Klassiker gezeigt - Georg Herold mit guten liegenden Akten, seine üblichen Holzlatten verschraubt, kantig und eckig, "nackt" nur in Nylons oder mit Textilien überspannt und diese monochrom bemalt, und Peter Böhnisch.


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17. 3.

Der Fred-Thieler-Preis wird dieses Jahr an Benjamin Frize verliehen, in der Berlinischen Galerie, begleitet von einer schönen Ausstellung seiner abstrakten, strukturellen Malerei.

11. 3.

Die leider nur einmal jährliche wechselnde Ausstellung im Haus der dt. Wirtschaft / BDI zeigt eine Arbeit von Michael Seilsdorfer, sehr humorig und kommunikativ, einen absenkbarer "Kronleuchter" der anstelle des üblichen Kristalls mit 300 Flaschen Bier behangen ist - bitte zum Gebrauch! Abtrinken bringt dann mehr Licht im Saal, kann aber unser eigenes Licht empfindlich trüben. Eine neue Umdeutung, Uminterpretation, Umnutzung vorhandener Dinge im Sinne von Saildorfers Arbeitsprinzip, eine starke Arbeit, die doch hoffentlich manches Mal im kommenden Jahr zum Einsatz kommen wird - abwechslungsweise hoffentlich ohne "Trübungen" der Wahrnehmung...

Enorm stark dann die neuen Arbeiten von Robert Kusmirowski in der Galerie Johnen der für uns Neuinterpretationen zu den Arbeiten und Arbeitsweisen bekannter Künstler installiert, inszeniert. So sehen wir eine Ateliersituation mit Materialregal, eingesautem Malerteppich und Bild im Stil von Jackson Pollock. Schubkarren, Arbeitsgeräte und ein antik anmutendes Teerkocherfass mit dem das "Schwarze Quadrat" Malewitschs in 3D nachgebaut wurde. Oder wir sehen Warhols Suppenbüchsen unter dem Namen "Campaints" und Etiketten auf einer antiken rostigen Druckmaschine gedruckt, ebenso eine Arbeit, Installation zu Roman Opalka. Phantastisch gute Kunst!

Im Soho House Streeatart der tollen Art, XOOOX und Jaybo Monk bewegen sich noch stärker auf Malerei und Collage zu, mit überzeugenden Resultaten. Auch Christian Awe ist zum Zirkel der Künstler der "Circleculturegalerie" gestossen, ein klassischer abstrakter, sehr farbenfroher Maler.

10. 3.

Zeichnungen aus dem MOMA, der J.-Rothschild-Foundation, im Gropiusbau.
Karsten Konrads' phantastische Möbel-Architektur-Skulpturen im Polnischen Kulturinstitut.
Und in den Uferhallen eine sehr gut besetzte Gruppenausstellung.

5. 3.

Was für eine IRRE TOLLE Soundinstallation von Bo Christian Larsson in den 3 grossen aufeinander folgenden Räumen von VeneklasenWerner. 3 Räume - 3 Chöre, Kinder, Gospel, Mozartinterpreten - die Textzitate, Fragmente bekannter Pop und Rocksongs singen, mal hintereinander, dann wiederum wie Echos, mal wie ein Kanon, sich versetzt überlagernd, unsere Erinnerungen fordernd, von Woody Guthries "this land.." über Beatles, CCR, Animals zu Madonna und Coldplay. Einfach Phantastisch! leider nur für einen Abend. BQ und Croy Nielsen eröffnen ihre neuen Galerieräume nebeneinader aber gemeinsam am Rosa-Luxemburg-Platz / Weydinger10 - was für ein riesiger Auflauf, fast ein Tumult! Judith Hopfs "Eisenketten-Kobra" und Marie Lund mit ihrer kubisch eingegipsten ägyptischen Touristenkitschbüste (aktuell mit den Plünderungen der Museen) sind mir besonders in Erinnerung geblieben.

4. März 11

Alle Galerien im Quartier Heidestrasse und in der Halle am Wasser eröffnen neue Ausstellungen. Besonders die von M. Kippenberger zusammengestellte Mappe mit eigenen und auch von anderen Künstlern gestalteten Plakaten, die seine gesammte Schaffenszeit durchziehen, sind absolut sehenswert. Man erinnert sich an das eine oder andere, kommt aus dem Schmunzeln nicht heraus und trifft auf nachdenkenswerte Anstösse. Da nur noch 2 zusammenhängende Mappen existieren ist die Ausstellung bei Nolan Judin besonders sehenswert.
Wendt führt uns tolle an Scherenschnitte oder Fotogramme erinnernde Bildcollagen, Malerei der etwas düsteren Art von Henning Kles vor, bei denen man in Piratenwelten eintaucht.
In der Galerie Koal begeistere ich mich für die kleinen Bilder von Steve Bishop aus geknitterten hinter Glas gequetschten Textilien deren Falten von silbrigem Quecksilber ausgefüllt weden was mich an schaumgekrönten im Licht glitzernden Wellengang erinnert.
Und im NBK und bei Sassa Trützsch zeigt uns Karin Sander neue Arbeiten.

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Cyprien Gaillard im KW - Parti-e-zipation


Cyprien Gaillard im KW - 2 Monate später...


Yudi Noor / Galerie Ehrentraut


Fiona Rae "Untiteld no.5" Artist and courtesy Buchmann Galerie


M. Sailsdorfers Kronleuchter im BDI-Kunstfenster


Henning Kles / Galerie Wendt


Steve Bishop / Galerie Koal